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Iftikhar Malik,
15.02.2021

Zur Situation obdachloser Menschen in Hamburg und Bergedorf

Anfang Dezember wurde ein Leichnam an einer Baustelle in Lohbrügge aufgefunden. Ermittlungen zufolge handelte es sich um einen von Obdachlosigkeit betroffenen Mann im Alter von etwa 50 Jahren. Die Medien berichteten vom wahrscheinlich ersten Kältetoten in diesem Winter, es war von Verwahrlosung auf den Straßen die Rede und in Fachkreisen sprach man von möglichen Versorgungslücken. Auch in dieser Woche erreichen uns vereinzelt Nachrichten von Verstorbenen auf Hamburger Straßen. Allein in diesem noch so jungen Jahr 2021 sollen es schon 5 gewesen sein!

Dieser Umstand rückt eine Lebensrealität in unser Bewusstsein, mit der wir uns dringend beschäftigen sollten: Die Situation der von Obdach- und Wohnungslosigkeit Betroffenen, denn unterschiedlichen Quellen zufolge leben 70 - 90 obdachlose Menschen im Bezirk Bergedorf; in ganz Hamburg sollen es bis zu 2.000 sein.

Hamburger Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe

Das hamburgische Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe besteht aus diversen Angeboten und Maßnahmen: Kostenfreie und anonyme Schlafplätze, Essensausgaben, den Tagesaufenthaltsstätten und einer medizinischen Versorgung. Die Kombination von niedrigschwelligem Erfrierungsschutz mit medizinischen und psychosozialen Beratungsangeboten zeichnet den Hamburger Weg aus. Das Ziel ist, nicht nur vor Kälte zu schützen, sondern die Betroffenen nachhaltig an die Regelsysteme heranzuführen.

Das Winternotprogramm 2020/2021 wurde ausgebaut: Es gibt eine zusätzliche, zentral gelegene Tagesaufenthaltsstätte (die „Markthalle“) und eine neue Unterkunft mit 250 Schlafplätzen an der Schmiedekoppel in Niendorf. Dadurch stellt Hamburg noch mehr Schlafplätze als bislang zur Verfügung. Die neuen Kapazitäten wurden bisher aber nicht ausgeschöpft.

Die Bürgerschaft hatte vor einigen Monaten die „Geschwächten-Regelung“ beschlossen. Demnach sind für chronisch oder psychische Erkrankte, Familien und besonders Schutzbedürfte Möglichkeiten der Einzelunterbringungen sicherzustellen. Um diese Maßnahme unter Corona-Bedingungen zu justieren, haben wir Ende November einen Antrag in der Bürgerschaft verabschiedet.

Eine weitere Komponente sind die bezirklichen Fachstellen für Wohnungsnotfälle. Hier wird Wohnungslosigkeit präventiv bekämpft. Allein hier konnten im Jahre 2019 über 3.700 Wohnungen gesichert werden, 2018 waren es über 4.900.

Insgesamt stellt das Gesamtkonzept in großen Teilen ein gut funktionierendes System der Obdach- und Wohnungslosenhilfe dar. So überrascht es auch nicht, dass es kürzlich auf dem Deutschen Städtetag als ein Best-Practice Beispiel vorgestellt wurde.

Die Situation in Bergedorf

Der einleitend beschriebene Fall zeigt aber, wo es noch nicht gedeckte Bedarfe gibt. So macht die Bergedorfer SPD-Bezirksfraktion schon seit Jahren darauf aufmerksam, dass es hier im Bezirk an einem Angebot, bspw. einer Tagesaufenthaltsstätte für Obdachlose, fehlt. Der weite Weg in die Hamburger Innenstadt zu den bestehenden Angeboten ist eine Zumutung und deckt sich erfahrungsgemäß weder mit den finanziellen Möglichkeiten noch der Bereitschaft, täglich in die Stadt fahren zu können.

Von der fachlich für dieses Thema zuständigen Sozialbehörde haben wir kürzlich die Information erhalten, dass man den Bedarf für Bergedorf registriert habe und auch auf der Suche nach entsprechenden Möglichkeiten sei.

Auch wenn die finanziellen Ressourcen knapp erscheinen, drückt sich die Stärke einer Gesellschaft darin aus, wie sie mit ihren schwächeren Mitgliedern umgeht. Es darf also nicht unsere Handlungsweise sein, unseren Wohlstand und unsere Privilegien weiterhin zu genießen, während wir eine Lebensrealität vor unserer Haustür ausblenden.