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Dr. Christel Oldenburg,
19.11.2018

Das Kreuz mit den »sozialen Medien« – Chance und Gefahr zugleich

Kaum eine technische Neuerung hat unser Kommunikationsgebaren so massiv und rasant beeinflusst wie der Aufstieg des Internets zum weltumspannenden Informations- und Interaktionskanal Nummer eins.

Dieser revolutionäre Aspekt der digitalen Kommunikation birgt potentiell ein großes gesellschaftliches Befreiungsversprechen in sich, dass nämlich ein jeder mit jedem ohne den vorher zwingend notwendigen Besitz an Massenmedien ins Gespräch treten kann. Diese mögliche kommunikative Idylle stellt sich bei näherer Betrachtung jedoch auch als undurchsichtiger und teils bedrohlicher Dschungel dar:

Als Transportvehikel der weltweiten Kommunikation haben sich neben der heute schon fast belächelten E-Mail vor allem die sogenannten »sozialen Medien« etabliert – Facebook, WhatsApp, Twitter, Instagram und Snapchat seien hier nur beispielhaft genannt.

Diese »sozialen Medien« sind überwiegend aber gar nicht sozial, sondern strikt profitorientierte, US-amerikanische Konzerne mit einer kaum zu kontrollierenden Marktmacht, allen voran Facebook (zu dem auch Twitter und Instagram gehören). Vor allem Facebook fiel in den vergangenen Jahren wiederholt negativ auf, weil die Plattform sich zum Sammelbecken für Hassprediger, Trolle und Initiatoren von Mobbingattacken entwickelte – erst nach massivem politischen Druck steuert Facebook seit kurzem den übelsten Auswüchsen etwas entgegen.

Mulmig kann einem auch werden angesichts des offenkundig beträchtlichen Erfolges, mit dem sich reaktionäre und rechtsextreme Politiker der »sozialen Medien« bedienen, um ihre Hetzbotschaften, Lügen und Verleumdungen unters Volk zu bringen – US-Präsident Donald Trump etwa nutzt exzessiv Twitter für seine kruden Verlautbarungen, der neugewählte rechtsextreme brasilianische Präsident Jair Bolsonaro gilt als glühender Trump-Fan und nutzte bei seiner Wahlkampagne ebenfalls die Dienste von Facebook.

Der Erfolg, mit dem reaktionäre, antidemokratische Politiker und Parteien Facebook, Twitter und Co. zur Kommunikation mit ihrer Anhängerschaft nutzen, ist erschreckend – immer mehr Menschen lassen sich von den Filterblasen der »sozialen Medien« beeinflussen, ohne wirklich wissen zu wollen, wie die Welt tatsächlich aussieht – im Gegenteil: Studien zum gesellschaftspolitischen Wirken der marktbeherrschenden »sozialen Medien« legen eine signifikante Korrelation etwa zwischen häufiger Facebook-Nutzung und geringen Kenntnissen über politische Zusammenhänge nahe.

Wie sollen wir Sozialdemokraten nun angesichts dieses Dilemmas mit den »sozialen Medien« umgehen? Ein Patentrezept in dieser Frage gibt es nicht, zumal gerade der Facebook-Konzern zu den größten Verächtern des Datenschutzes gehört, gewaltige Datenbestände über jeden Facebook, Twitter-, WhatsApp-Nutzer sammelt, verknüpft und verwertet.

Trotz des schlechten Leumundes von Facebook ist aber die Idee eines für jeden zugänglichen Kommunikationsnetzwerkes an sich nicht verachtenswert – überlegenswert wäre daher eine Diskussion innerhalb der SPD, ob wir nicht auf alternative Plattformen für Facebook, WhatsApp, Twitter und Co. setzen und diese in der öffentlichen Diskussion auch offensiv bewerben sollten – Alternativen gibt es jetzt schon, ihnen mangelt es indes noch an Reichweite.

Daran wird sich aber auch nichts ändern, wenn wir die Vorherrschaft von Facebook und Co. mit all ihren negativen Auswirkungen nur seufzend als leider unumstößlich, quasi als gottgegeben hinnehmen – das sieht sogar die evangelische Kirche anders und plädierte auf ihrem jüngsten Medienkongress für den Aufbau von europäischen Social-Media-Plattformen:

www.ekd.de

Dieser Kampf für bessere soziale Netzwerke wird nicht einfach zu führen sein, das ist klar, aber einfach kann ja jeder …