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Michael Schütze,
31.05.2016

Zur Flüchtlingslage in Hamburg und Bergedorf

Doch wie ist die Lage aktuell in Hamburg? Ende letzten Jahres waren rund 40.000 Menschen in Hamburg öffentlich-rechtlich untergebracht, die Hälfte in Gemeinschaftsunterkünften der Erstaufnahme. Davon leben zur Zeit ca. 5.000 Menschen in prekären Unterkünften wie Zelten oder Baumärkten. Deshalb müssen weitere Unterbringungsplätze geschaffen werden, um diese unwürdigen Bedingungen zu beenden.

Was ist mit Bergedorf? Hier gibt es 620 Plätze in der Erstaufnahmeeinrichtung in einer Gewerbehalle in der Osterrade. Die große Einrichtung (rund 1.000 Plätze) in dem ehemaligen Max-Bahr-Baumarkt an der Kurt-A-Körber-Chaussee ist kürzlich wegen eines technischen Defektes geräumt worden. Inzwischen hat die Bezirksversammlung Bergedorf auf Initiative der SPD-Fraktion die zuständigen Stellen aufgefordert, diese Einrichtung nicht wieder zu eröffnen. Dafür könnten im ehemaligen DIMA-Sportcenter am Havighorster Weg bis zu 1.000 Erstaufnahmeplätze geschaffen werden.

In Folgeeinrichtungen in Bergedorf leben zur Zeit rund 3.000 Flüchtlinge und Wohnungslose in Bergedorf, davon 438 in der Brookkehre, 140 auf dem P+R-Parkplatz am Mittleren Landweg, 100 am Sandwisch, 580 bzw. 360 im Curslacker Neuen Deich I und II, 250 im Weidenbaumsweg, 178 im Achterdwars, 287 im Rahel-Varnhagen-Weg, 200 im Friedrich-Frank-Bogen und 160 im Ladenbeker Furtweg. Auf dem Sülzbrack wird derzeit die Erstaufnahmeeinrichtung in eine Folgeunterkunft für ca. 200 Flüchtlinge umgebaut. In der Brookkehre folgt eine Erweiterung mit 324 Plätzen. Für die Heidkoppel am Unfallkrankenhaus Boberg laufen die Planungen für 462 Plätze.

Hinzu kommen noch rund 150 Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Billwerder Straße und im Billwerder Billdeich, so dass gegen Ende dieses Jahres rund 4.500 Flüchtlinge in Bergedorf leben werden. Weitere Flächen sind für 2017 in der Prüfung, so am Binnenfeldredder, am Dweerlandweg und am Speckenweg.

Und dann sind im Gleisdreieck Mittlerer Landweg gegenwärtig noch 780 Wohnungen im Bau für bis zu 2.500 Flüchtlingen, die vorwiegend aus den Bergedorfer Einrichtungen kommen sollen, eine gute Bleibeperspektive haben wie z. B. Iraker, Syrer und Afghanen und das Leben im Bezirk schon kennen. 60% sollen davon Familien sein, 40% Alleinstehende in WG-ähnlichen Gemeinschaften. Letztere bewohnen jeweils ein eigenes Zimmer. Das sind übrigens alles Forderungen, die die Bezirksversammlung auf Antrag der SPD im Februar beschlossen hatte. Ungefähr 30% der Flüchtlinge werden dabei Kinder und Jugendliche sein. Durch die Aufstellung eines Bebauungsplans sollen die Wohnungen schrittweise dem allgemeinen Wohnungsmarkt zugeführt werden können.

Wir dürfen uns aber keine Illusionen machen. Wohnungen alleine reichen nicht, um Flüchtlingen eine gute Integration zu ermöglichen. Dazu brauchen wir auch Sprach- und Integrationskurse, bei denen zur Zeit rund 200.000 Plätze fehlen, weil die Bundesregierung viel zu wenig Geld dafür zur Verfügung gestellt hat. Zudem haben bis auf wenige Ausnahmen Flüchtlinge nur dann einen Anspruch auf einen Sprach- oder Integrationskurs, wenn sie anerkannt sind. Das dauert aber im Schnitt sechs Monate, faktisch eher länger. In dieser Zeit können die Flüchtlinge nur Däumchen drehen. Dann brauchen wir Ausbildungs- und Arbeitsplätze, die jedoch wiederum an entsprechenden Sprachkenntnissen hängen. Und am Ende kommt es auch auf das alltägliche Miteinander in der Kita, der Schule, dem Ausbildungs- und Arbeitsplatz an. Denn letztlich hängt Integration von der Begegnung ab.

Das ist alles noch ein weiter Weg, es wird teuer und schwierig, aber wir können das schaffen, wenn wir die richten Schritte unternehmen und uns Mühe geben. Auf alle Fälle sind die Chancen größer als die Risiken.