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Ties Rabe,
28.07.2019

Klimawandel Und was wir dagegen tun können

Der Klimawandel findet immer mehr Opfer. Nicht nur das Grönland-Eis, sondern auch CDU und SPD. Der Klimawandel beschleunigt die Zerbröselung des Grönland-Eises genauso wie der politischen Mitte in der Bundesrepublik. Gut, bei der Europawahl sind Wählerinnen und Wähler experimentierfreudiger. „Es geht doch um nix, da kann man mal etwas lustiger abstimmen“, sagte mir eine Bekannte. Na ja. Doch wie soll sich die Politik verhalten, angesichts der Wucht des Themas? Cool wie das letzte Grönland-Eis gab sich Olaf Scholz bei Anne Will. Sein Rat an die SPD: Nicht lamentieren, nicht klagen, sondern sagen: Wir haben verstanden. Wir werden jetzt im Sinne des Klimaschutzes handeln.

Leichter gesagt als getan. Das Thema ist komplizierter, als die meisten Friday-Schüler ahnen. Es hat zwei unbekannte Komponenten. Erstens: Keiner hat wirklich eine funktionierende Idee, wie man den CO2-Ausstoß von weltweit 37 Gigatonnen pro Jahr in den Griff bekommt. Der deutsche Anteil daran: 0,8 Gigatonnen. Selbst wenn wir uns vorbildlich verhalten – was wir zweifellos dringend tun müssen – so ist das für sich betrachtet nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Sinnlose Kosmetik“, schnaubte vor kurzem der Klimaforscher Hans von Storch über einige der in Deutschland diskutierten Maßnahmen wie „weniger Fleisch essen“ oder „Tempo-Limit auf Autobahnen“.

Und zweitens: Keiner weiß, wie die Wählerinnen und Wähler abstimmen, wenn sie merken, dass ernsthafte Klimapolitik ihren normalen Lebenswandel radikal ändern wird. „Wasch mir den Pelz und mach mich nicht nass“ – diese Haltung vieler Menschen ist das zweite Problem der Klimapolitik. Erinnern wir uns in Bergedorf an die Diskussion über die Windanlagen: Gegen die Aufstellung neuer Windanlagen gab es einen Bürgerentscheid - und der wurde von den Wind-Gegnern gewonnen! „Viel Spaß“, möchte man sagen, wenn es erst um das Thema Autoverkehr oder – noch viel schädlicher – die dauernde Urlaubsfliegerei gehen wird.

Was wird erst passieren, wenn wir in den nächsten zehn Jahren die Verbrennungsmotoren abschaffen wollen? 900.000 Kraftfahrzeuge gibt es in Hamburg, jedes Jahr kommen 13.000 dazu, mehr als Wohnungen dazukommen. 500.000 Menschen pendeln täglich zur Arbeit über die Landesgrenzen, noch einmal 500.000 sind täglich innerhalb der Stadt unterwegs. Und von denen fährt mehr als ein Drittel mit dem Auto. Was man angesichts der S-Bahn-Misere nicht allen verübeln kann. Halbwegs funktionierende E-Autos gibt es ja immerhin, aber keine E-Flugzeuge und keine E-Schiffe. Wir ahnen: Die Wende wird unbequem. Vor allem für Politiker, die dann den Bürgerzorn aushalten müssen. Frankreichs Gelbwesten-Proteste begannen mit der Ökosteuer auf Benzin...

Doch – erstens: Was hilft es. Demokratie lebt davon, dass das Volk entscheidet. Und das Volk entscheidet sich (zurzeit?) für eine bessere Klimapolitik. Und zweitens: Gut so! Wir wissen doch alle, dass wir mehr tun müssen, um den Klimawandel zu bremsen. Dann sollten wir auch handeln. In Hamburg sind viele Schritte eingeleitet: Der Ausstieg aus der Kohle betriebenen Fernwärme findet in Hamburg deutlich früher statt als auf Bundesebene. In Sachen Elektromobilität ist noch viel zu tun, aber auch hier hat Hamburg bereits jetzt die meisten Ladesäulen aller Städte in Deutschland. Und der ÖPNV wird seit langem kräftig ausgebaut. Wenn bloß nicht die störrische und chaotische Bundesbahn mit ihren Pannen-S-Bahnen wäre, dann könnten wir schon sehr weit sein. Die Hochbahn mit ihren U-Bahnen macht es vor, wie es geht.