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Michael Schütze,
22.08.2016

Goodbye Jonny – Jonny Keßner stirbt mit 102 Jahren

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam Jonny mit seiner Familie nach Bergedorf, wo er am 16. April 1946 einen Job als Verwaltungsangestellter bei der Stadt Hamburg bekam, zunächst im Ortsamt für die Vier- und Marschlande, später im Verkehrsamt Bergedorf und im Liegenschaftsamt. In dieser Funktion war er z. B. verantwortlich für den Aufkauf der Grundstücke, die für den Bau der Autobahn 25 benötigt wurden. Zuletzt war er im Katasteramt tätig, ehe er Ende 1975 in Rente ging.

Schon früh engagierte sich Jonny in der Gewerkschaftsbewegung. Bereits am 2. Mai 1928 trat er in den Deutschen Metallarbeiterverband ein. Nach dem Krieg schloss er sich 1946 der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) an, war Vorsitzender der DAG-Ortsgruppe Bergedorf, gehörte dem DAG-Landesvorstand und war Betriebs- und Personalrat im Bezirksamt Bergedorf.

Am 21. November 1946 trat Jonny im Distrikt Allermöhe/Reitbrook in die SPD ein, dessen Kassierer er auch war. Seit 1953 im Distriktsgebiet Bergedorf wohnend, übernahm er im 1955 den Vorsitz des Wohnbezirkes 4, den er bis zu seinem Umzug nach Lohbrügge 1964 behielt. Zugleich war er Mitglied im Kreisvorstand der Bergedorfer SPD. Von 1962 bis 1966 war er Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Als DAG-Mitglied war Jonny auch in der SPD-Betriebsorganisation tätig. Er war Vorsitzender der SPD-Betriebsgruppe des Bezirksamtes Bergedorf (1949 bis 1965) und der Bergedorfer Kreisbetriebsorganisation (1949 bis 1954), dem Vorläufer der AfA.

Jonny war zeitlebens ein streitbarer Zeitgenosse. So legte er sich als Bürgerschaftsabgeordneter mit dem damaligen Innensenator Helmut Schmidt an, weil dieser den Ortsamtsleiter von Finkenwerder, Wilhelm Lindemann, wegen dessen Verdiensten während der Sturmflutkatastrophe zum Bergedorfer Bezirksamtsleiter machen wollte. Während sich Schmidt hiermit durchsetzte, konnte Jonny dem Innensenator das Zugeständnis abringen, dass der Arbeiter-Wassersportverein Hamburg seine heute 150 Freizeithütten im Deichvorland in Overwerder behalten durfte.

Doch Jonny war in seinem langen Leben auch ein Kämpfer für die soziale Gerechtigkeit. Er engagierte sich vielfältig für die Menschen. Er war Mitglied der AWO, des Reichsbundes und des Vereins der Anteilseigner des Bergedorf-Sander Volksblattes sowie fast vierzig Jahre lang Schöffe an verschiedenen Gerichten. Doch auf eines legte Keßner immer Wert: „Zu keiner Zeit habe ich mich um irgendeine Funktion oder Tätigkeit beworben. Ich wurde immer vorgeschlagen und bedrängt, die Tätigkeit anzunehmen!“ Für seine vielfältige ehrenamtliche Tätigkeit wurde ihm 1978 vom Hamburger Senat die Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes verliehen. Die Bezirksversammlung Bergedorf zeichnete ihn 1993 mit der silbernen Ehrennadel aus.

Bis kurz vor seinem 100. Geburtstag lebte Jonny auch noch in seiner eigenen, betreuten Wohnung. Ich selbst kann mich noch gut an seine kleinen Vorträge bei Mitgliederversammlungen erinnern. Öfter hat er mir auch an Infoständen seine Sicht der Dinge dargelegt. Zuletzt konnte ich ihn noch im Dezember 2014 bei der Weihnachtsfeier der SPD Lohbrügge begrüßen.

Nun aber müssen die Gewerkschaftsbewegung und die SPD in Lohbrügge und Bergedorf von einem verdienten Mitglied Abschied nehmen. Wir werden Jonny vermissen!